Kniefall oder: Wes Brot ich ess, des Lied ich sing

Bisher war ich der Meinung, dass Aprilscherze am Ersten des Monats ausgeheckt werden. Aber seit heute weiß ich, dass die Aprilscherz-Reform unserer Bundesregierung komplett an mir vorbei gegangen ist.

Neuer Termin ist der 30. April. Unklar ist bisher auch, ob dieses Datum zukünftig für alle Bundesbürger gilt, oder ob der Termin ausschließlich der Regierung vorbehalten bleibt.

Was die Auswahl des Scherzes angeht, setzt die Truppe um unsere Kanzlerin der Herzen jedenfalls Qualitätstandards erster Kajüte:

Das Zauberwort heißt: Staatswohl.  Denn das sei gefährdet, sollte Edward Snowden vor dem NSA-Untersuchungsausschuss in Deutschland aussagen.

Na? Nicht zu viel versprochen, oder?

Wäre die nach Informationen der Süddeutschen Zeitung 27 Seiten starke Stellungnahme bereits verfügbar, würden hier sicher noch etliche Perlen kognitiver Dissonanz offenbart, die qualitativ keineswegs hinter dem „Staatswohl“ – Scherz zurückstehen müssten.

Aber auch so wird die Erklärung, eine Vernehmung Snowdens „liefe wichtigen politischen Interessen der Bundesrepublik Deutschland zuwider“, bei einer nicht unerheblichen Anzahl an ernsthafter Aufklärung der weltweiten Bespitzelung interessierter Bundesbürger für Schnappatmung sorgen.

Ist man von den Politik imitierenden Krämerseelen der CDU/CSU seit Jahrzehnten nichts anderes gewohnt und wäre bei einer abweichenden Erklärung vermutlich sogar  irritiert, so stellt diese Entscheidung gegen eine – wenn auch schmerzhafte – Wahrheitsfindung einen weiteren Sargnagel für die SPD im allgemeinen und die machtbesessenen Koalitions-mitglieder im besonderen dar. Wüßte Willi Brandt um dieses Theater, er würde im Grab rotieren.

Diese SPD, ehemals Gallionsfigur des einfachen Mannes, eine Volkspartei eben, die wie keine andere für soziale Gerechtigkeit stand, mutiert immer mehr zum roten Flügel des einst „christlichen“ Gegners, ohne wahrhaben zu wollen, dass sie im Falle des Scheiterns das nächste Bauernopfer sein wird.

Wahrscheinlich ist dies auch das einzige, was sie mit dem Hauptakteur des NSA-Skandals, Edward Snowden, gemein hat. Mit einem kleinen Unterschied:

Als Bauernopfer sehen ihn bestenfalls deutsche und vereinzelt US-amerikanische Politiker. Der Rest der freiheitsliebenden Welt sieht ihn als schützenswerte und vielleicht sogar spielentscheidende Figur: Springer, Läufer, Turm oder Dame.

Für mich ist er der König!

Edward Snowden 2013-10-9 (1) (cropped)

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