Gedenken oder lieber Denken

Heute ist mir nach Provokation zu Mute.

Gestern war ja Halloween (oder Samhain, wie die „Heiden“ sagen). Kinder sind auf der Jagd nach Süßigkeiten oder anderer Beute und erschrecken bei Nichterfolg die deswegen angesprochenen Mitmenschen.
(Junge) Erwachsene verlegen hingegen diese „Belohnungen“ in den Bereich der Ausschweifungen Alkohol und/oder Sex anderer Art, was mitunter nicht weniger erschreckend ist.

Das alles ist ziemlich verrückt, wenn auch das Verkleiden zugegebenermaßen eine prima Sache ist, anonym die Sau rauszulassen. Karneval ist ja auch schon wieder so elend lange her und bis zum 11.11.  ist es noch so lange hin.
Das kann man mögen, muß man aber nicht.
Es ist jedenfalls nicht schlechter oder besser als das, was ich heute erlebt habe.

Zum geschichtlichen Hintergrund:
Der Tag nach Halloween wurde im siebten Jahrhundert nach Jehoschua dem Gesalbten  von Papst Bonifatius IV. erfunden, Allerheiligen genannt und – nach dem ursprünglich Termin im Mai – in den November verlegt, um das zeitgleich stattfindende heidnische Fest zu verdrängen.

Da es sich also um das Gedenken an verstorbene Heilige handelt, hat das ganze einen eher morbiden Charakter und wird traditionell von strammen Kirchgängern und insbesondere der älteren Generation gefeiert (es kann ja nicht schaden, als ein mit der Ursünde behaftetes Individuum schon mal zu Lebzeiten „drüben“ gutes Wetter zu machen…).

Warum man dazu allerdings auf den Friedhof geht, will sich mir nicht so recht erschließen, immerhin ist der Gedenktag an die verstorbenen Angehörigen Allerseelen (einen Tag später) oder Totensonntag und der findet ca. vier Wochen vor Weihnachten statt.

Allem Anschein nach haben unseren älteren Mitbürger ein ebenso großes Bedürfnis nach gemeinsamen Feierlichkeiten  wie die jungen Leute.

Wie anders ist es sonst zu erklären, dass sich heute ein nicht enden wollender Autokorso an der Friedhofsmauer aufgereiht hatte und darüber hinaus etliche Wagen auf der Suche nach Parkplätzen den Verkehr behinderten, als gäbe dort Hansi Hinterseer ein kostenloses Open-Air-Konzert?

Hat wahrscheinlich mit der Jahreszeit zu tun: zu trüb, düster, diesig, traurig, bedeckt, schwer, depressiv. Jemand sollte am Eingang stehen und die Menschen daran erinnern, an Stelle des Todes das Leben zu feiern.

Insofern – und nur aus diesem Grund – hat Halloween meine Stimme.

Quelle: Flickr – CC: by-sa Miala

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