Herbst


Quelle: Privat

Vor einigen Tagen hat mich der Herbst mit traumhaftem Wetter verzaubert. Und weil der Himmel so großartig im Kontrast zu den gelben Blättern leuchtete, war der Griff zur Kamera unvermeidlich.

Trotzdem geht nichts über Life und in Farbe. Das ist wie mit einem Blinden, dem ich in den anschaulichsten Worten zu beschreiben versuche, wie sich das goldgelbe Weizenfeld unter einem strahlend blauen Himmel voller weißer Wolken im Wind bewegt.  Ich kann nur scheitern.

Erfahrung ist – bei aller Poesie – letzlich unbeschreibbar.

Es gibt (und gab) allerdings Menschen, die mit der Gabe gesegnet sind, solche Erfahrungen in Worten zu schildern, so dass das immanente tiefere Verständnis – was diese Welt im innersten zusammenhält – auch für andere spürbar wird.

So ein Mensch hat eines meiner Lieblingsgedichte geschrieben. Und weil es gerade so gut passt, möchte ich es mit allen Lesern teilen.

Herbst

Die Blätter fallen, fallen wie von weit,
als welkten in den Himmeln ferne Gärten,
sie fallen mit verneinender Gebärde.

Und in den Nächten fällt die schwere Erde
aus allen Sternen in die Einsamkeit.

Wir fallen alle. Diese Hand da fällt.
Und sieh dir andre an: es ist in allen.

Und doch ist Einer, welcher dieses Fallen
unendlich sanft in seinen Händen hält.

                                                     Rainer Maria Rilke  1875 – 1926

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