Träume sind Schäume?

Heute morgen bin ich aufgewacht.

„Ach, “ würde jetzt mancher sagen, „sag bloß.“

Nein ernsthaft. Die Nacht war kurz – nicht einmal 5 Stunden – nachdem das einschlafen schon schwierig war, ohne zu wissen warum.

Und dann dieser Traum!

Jeder von uns kennt das: ein Traum, der nach dem aufwachen noch so präsent ist, daß er uns in den Tag begleitet. Bilder, Gefühle, Gespräche und scheinbar Erlebtes stehen quasi greifbar vor dem inneren Auge.

In meinem Fall spielt der Film in Frankreich, genauer Paris, zur Zeit des 19. Jahrhunderts. Jedenfalls ohne Autos und gemächlicher als heutzutage.

Hauptpersonen sind ein Bonbonhersteller, zwei Jungen (Waisenkinder) und etwas später eine junge Frau mit Namen Marie.

Die Geschichte handelt anfangs von den Jungen und dem Mann. Dieser benötigt für seine riesige Fabrik viele (billige) Arbeitskräfte, die er in den Waisenhäusern findet. Die Unterbringung ist schlecht, die Behandlung der Kinder ebenfalls.

Einer der Handlungsstränge dreht sich um die Jungen, die sich mit kindlichen Machtspielen gegenseitig auszutricksen versuchen. Dabei steht der Fabrikbesitzer im Fokus; seine Art der Behandlung und Bestrafung wird von ihnen sabotiert, oft genug wird der weniger gewitzte der beiden vom Bonbonhersteller erwischt und umso härter bestraft. Sie verlassen z.B. während der Nacht ihre Schlafplätze durch die nicht vorhandenen Fenster und wechseln die Etagen, um zu demonstrieren, wer von ihnen geschickter ist.

Später spielt die plötzlich anwesende Frau mit Namen Marie eine wesentliche Rolle. Der Bonbonfabrikant ist inzwischen älter und ruhiger geworden.

Er, Marie und die zwei Jungen (noch immer halbwüchsig) gehen in Paris spazieren. Es ist Frühling, sehr mild und die ganze Stadt geniesst diesen Tag in Cafés und bei Einkaufsbummeln auf den gepflasterten Strassen und Plätzen.

Während der Mann langsam weiterbummelt, biegt Marie in ein größeres Geschäft ab. Aus irgendeinem Grund bemerkt der Mann, dass etwas nicht stimmt und macht kehrt, um nach Marie Ausschau zu halten. Aber diese ist verschwunden und bleibt es auch.

Selbst hektisches und verzweifeltes Suchen und das Schreien ihres Namens hat keinen Erfolg.

Kurz vor dem aufwachen gibt es so etwas wie einen „Abspann“: Ich blättere in den Aufzeichnungen des Bonbonfabrikanten und erfahre von seiner eigenen Geschichte, Jugenderlebnissen, etc.. Dabei kommt so etwas wie Verständnis für manches Verhalten auf.

Ich wache mit einer Mischung aus Trauer, Verzweiflung, Bedauern, Erstaunen und Dankbarkeit auf. Und noch während die Bilder des Traumes langsam blasser werden, setzt der Verstand ein und analysiert das erlebte:

Wo ist der persönliche Bezug?
Was war der Auslöser?

Und natürlich die schlichte Feststellung, dass ich schwer beeindruckt bin von den nachklingenden Gefühlen und der Plastizität der Bilder.

Ganz deutlich spüre ich den Wunsch, nicht ohne diese Frau sein zu wollen, ja zu können. Und rutsche dabei unbewußt in die Rolle des Fabrikanten.

Was altersmäßig durchaus reale Bezüge hat.

Okay, ich kenne im ‚echten‘ Leben ebenfalls eine Marie, allerdings sieht diese so gar nicht aus wie die Person im Traum. Und ja, ich bin Vater zweier halbwüchsiger Jungen, die ständig darum streiten, wer der bessere, klügere, coolere von ihnen ist. Natürlich bin ich verheiratet. Aber meine Frau heißt definitiv nicht Marie, ist ungefähr genau so alt wie ich und ohne ihr damit unrecht tun zu wollen ist sie nicht halb so anmutig wie diese Traum-Frau.

Aber erstens war ich in meinem ganzen Leben noch nie in Paris, und außerdem kommen für mich, selbst als Bürger des 21. Jahrhunderts, Zeitreisen einfach nicht in Frage.

Was bleibt, ist der starke Wunsch nach Familie, der Wunsch, mit dieser, „meiner“, Frau leben zu wollen und das Gefühl, beidem zu wenig Raum in meinem Leben zu geben und den entsprechenden Personen diese Wünsche nicht deutlich genug zu machen.

Wohl auch deswegen schwingt Dankbarkeit in dieser ganzen Gefühlssuppe mit. Dankbarkeit dafür, instinktiv zu spüren, was die Botschaft des Traumes ist, war, sein könnte.

Und damit bin ich wieder ganz am Anfang:

Heute morgen bin ich aufgewacht.

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