Hier und Jetzt

Quelle: Flickr

Ich möchte einen außergewöhnlichen Menschen vorstellen. Männlich, US-Amerikaner und ein großer Denker unserer Zeit. Mit seiner Integralen Theorie versucht er, Wissenschaft, Philosophie und Religion zusammenzuführen und bezieht dabei Erfahrungen der Mystik, Meditation und modernen Forschung mit ein.
Sein Name ist Ken Wilber.

Beim Lesen spiritueller Literatur stoße ich hin und wieder auf Passagen – oft in poetischer Form-, deren Inhalt mich unmittelbar anspricht, eine unbekannte Saite in mir zum schwingen bringt und von deren tiefer Wahrheit ich überzeugt bin, ohne plausibel erklären zu können, warum das so ist.

Nachfolgend eine solche Passage.

aus: The Eye of the Spirit (dt. „Das Wahre, Schöne, Gute„)
Quelle: www.iphpbb.com

Das reine Selbst ist immer-gegenwärtiges Bewusstsein,
auch wenn wir dessen Existenz bezweifeln.
In dieser einfachen Wahrnehmung erkenne ich:
ich bin mir meines Körpers bewusst;
also bin ich nicht nur mein Körper,
ich bin mir meines Geistes bewusst;
also bin ich nicht nur mein Geist,
ich bin mir meines Selbst bewusst;
also bin ich nicht nur mein Selbst,

Vielmehr nehme ich meinen Körper, meinen Geist, mein Selbst wahr.
Das ist wahrhaft faszinierend:
ich kann meine Gedanken sehen,
also bin ich nicht nur diese Gedanken;
ich bin mir der Körperempfindungen bewusst,
also bin ich nicht nur diese Empfindungen;
ich bin mir meiner Gefühle bewusst,
also bin ich nicht nur diese Gefühle.
Irgendwie bin ich das Subjekt, das dies alles wahrnimmt.

Doch wer oder was nimmt wahr?
Die Traditionen behaupten,
das, was wahrnimmt, ist Geist, ist Gott,
ist Buddha-Natur in ihrer Ganzheit.
In anderen Worten:
die letzte, unbedingte Wirklichkeit
ist nichts, was gesehen werden kann,
sondern ist das, was immer-gegenwärtig sieht.
Und also ist diese Bewusstsein
nicht schwer zu erreichen,
aber unmöglich zu vermeiden.

Das, was sieht, kann nicht gesehen werden.
Hören wir also auf,
uns mit diesem oder jenem zu identifizieren.
Dann bekommen wir eine Ahnung von der unendlichen Freiheit.
Wir werden dann bemerken,
dass diese einfache, immer-gegenwärtige Wahrnehmung
vollkommen mühelos ist.
Keinerlei Mühe macht es,
Laute zu hören, Dinge zu sehen, die kühle Brise zu fühlen,
und wir ruhen einfach in dieser mühelosen Wahrnehmung.
Und wieder:
dieser Zustand des zeitlosen Gegenwärtigseins
ist nicht schwer zu erreichen,
aber unmöglich zu vermeiden.

Dinge, die gesehen werden,
sind angenehm oder schmerzhaft,
beglückend oder traurig,
heiter oder beängstigend,
– aber das, was diese Dinge sieht,
ist weder beglückend noch traurig,
weder heiter noch beängstigend,
sondern einfach frei.

Wenn ich ruhe als das, was zeitlos wahrnimmt,
ist es um die Große Suche geschehen.
Die Große Suche ist der Feind
des immer-gegenwärtigen Geistes,
eine brutale Lüge angesichts einer freundlichen Unendlichkeit.
Die große Suche ist die Suche
nach einer letzten Erfahrung,
nach einer großartigen Vision,
einem Paradies der Freuden,
einer nie-endenden guten Zeit,
einer machtvollen Einsicht,
einer Suche nach Gott, nach der Göttin, nach dem Geist –
aber Geist ist kein Objekt:
Geist kann nicht begriffen werden, erreicht,
gesucht oder gesehen werden –
Geist ist das, was immer-gegenwärtig sieht.

Wenn ich kein Objekt bin, bin ich die Gottheit selbst.
Fange ich an zu suchen, höre ich auf Gott zu sein;
und die Katastrophe kann nicht dadurch behoben werden,
dass ich nach noch mehr Objekten suche.

Es geht darum,
die immer-gegenwärtige Bewusstheit klar zu erkennen.
Das kostet keine Mühe.
Ich bemerke einfach,
dass es immer eine Wahrnehmung des Himmels gibt;
ich bemerke einfach,
dass es immer eine Wahrnehmung der Wolken gibt;
ich bemerke einfach, dass das immer-währende Wahrnehmen
nicht schwer zu erreichen ist,
aber unmöglich zu vermeiden.

Wenn du dies verstehst,
ruhe in dem,
was versteht –
und genau das ist Geist.
Wenn du nicht verstehst,
ruhe in dem, was nicht versteht –
und genau das ist Geist.

Wer sich einlesen möchte hat hier die Gelegenheit dazu. Aber vor allem kann man dieses außergewöhnliche Buch auch kaufen.

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