Dann geh doch…

Quelle: Privat – mit freundl. Genehmigung der Fotografin

Ich komme gerade von einer Runde mit unseren Hunden zurück. Warm war’s und trocken. Am Himmel über mir überschlugen sich beinahe die Feldlerchen und für die Vierbeiner gab es jede Menge Neuigkeiten zu erschnüffeln.

Eine gute Zeit, den winterträgen Körper an die frische Luft zu zerren. Zeit, das Licht willkommen zu heißen. Zeit, den Stress der Krankenhausarbeit loszulassen, den Ärger, die Müdigkeit, die Sorgen. Zeit, die eigenen Gedanken neu zu sortieren in wichtig und unwichtig.

Überhaupt ist es immer eine gute Idee in der Natur zu sein.

Ich persönlich bin gern allein unterwegs, ohne daß Gefühl zu haben, sich über Gott und die Welt unterhalten zu müssen. Einfach mit offenen Sinnen einen Fuß vor den anderen zu setzen und den Gedanken dabei zuzuschauen, wie sie im Kopf auftauchen, sich verändern und wieder verschwinden.
Auch sehr gut und hilfreich ist es, wenn ich mich nach einem Streit auf den Weg mache. Es gibt kaum etwas besseres, die in Wallung geratenen Gefühle zu beruhigen, als einfach zu gehen. Ohne Ziel, einfach atmen und gehen. Und es ist definitiv besser, als eine Situation eskalieren zu lassen in der es meist nur noch darum geht, sich dabei zu übertreffen den anderen zu verletzen.
Leider bleibt es oft nicht bei verbalen Verletzungen, wie man immer wieder lesen, hören oder sehen kann.

Grund genug, in einer solchen Lage die Notbremse zu ziehen; dem Partner möglichst ruhig zu erklären, daß man den Streit aus Liebe und Respekt dem anderen gegenüber nicht weiter führen möchte und anschließend zu gehen. Es ist wichtig, zu signalisieren, daß man nur für eine gewisse Zeit geht, bis der Ärger verflogen ist und daß man das Gespräch danach gerne auf ruhige Weise fortsetzen kann (und möchte).
Noch geschickter ist es, wenn man diese Art des Verhaltens bereits vor dem nächsten Streit erklärt, damit sich der Partner nicht vor den Kopf gestoßen fühlt.

In meiner Meditationsgruppe üben wir diese Art zu gehen bei jedem Treffen. Natürlich gehen wir dort sehr langsam. Ein kleiner Schritt pro Atemzug. So üben wir und bereiten uns in gewisser Weise darauf vor, auch mit schwierigen Gefühlen wie Trauer, Verzweiflung, Wut oder Hass bei uns zu bleiben. Gehen und atmen – einatmen, ausatmen – ein, aus. In der Natur bzw. unter Menschen kann man schneller gehen, um niemanden zu irritieren.

Der vietnamesische Zen-Meister Thich Nhat Hanh hat diese Art der Gehmeditation entwickelt und in der westlichen Welt bekannt gemacht. Es hat ihm sehr geholfen bei seiner Arbeit für die notleidende Bevölkerung während der Zeit des Vietnam-Krieges. Die Tatsache, daß diese Art uns friedlicher werden zu lassen während des Krieges entwickelt wurde, macht deutlich, daß wir in einer dualistischen Welt leben und scheinbar gegensätzliches lediglich unterschiedliche Aspekte ein und derselben Medaille sind.

Beenden wir den Krieg – nicht nur da draußen, auch in uns – und entscheiden uns für den Frieden.

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Gedanken, Inspiration veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s