David gegen Goliath

Quelle: Flickr

Ist das eine Freude!

Der Kleine hat’s wieder mal dem Großen gezeigt. Das ich mir dabei die Hände reibe, hat sicher auch mit dem Reflex zu tun, im Zweifel für den Underdog Partei zu ergreifen. Die Protagonisten dieses denkwürdigen Ereignisses sind:

– in der Rolle des David das junge Startup-Unternehmen „Dein Bus
– in der Rolle des Goliath die altehrwürdige „Deutsche Bahn AG

Aber was ist eigentlich passiert?
Rekapitulieren wir:

2009 gründen die drei Studenten Alexander Kuhr, Ingo Mayr-Knoch und Christian Janisch die „Yourbus GmbH“ (Dein Bus). Die drei lernten sich an der Zeppelin Universität in Friedrichshafen kennen. Bei Auslandsaufenthalten in Osteuropa bzw. Spanien nutzten zwei von ihnen aufgrund des günstigen Preises das reiche Angebot an Überlandbussen. Zurück in Deutschland fiel ihnen auf, daß hier etwas gleichwertiges nicht existiert.

Der Grund ist ein Gesetz aus dem Jahr 1934, daß die regelmäßige oder gelegentliche Beförderung von Personen reguliert. Demnach ist es Buslinien auf nationalen Strecken von über 50 Kilometern untersagt, Fahrgäste zu befördern. Das Personenbeförderungsgesetz (PBefG), genauer § 13, Abs. 2 PBefG, wurde erlassen um unliebsame Konkurrenz von der staatlich geförderten Reichsbahn fernzuhalten. Allerdings bezieht sich das PBefG dabei auf den Linienbusverkehr. Für Gelegenheitsfahrten sind Alternativen gestattet.

Hier kommt § 49 PBefG ins Spiel, daß jedem erlaubt, mit anderen Fahrwilligen eine Fahrgemeinschaft zu gründen. 1934 gab es kein Internet und so waren Busunternehmer bis dato auf Betriebsausflüge, Klassenfahrten oder Kegelclubs angewiesen. „Dein Bus“ bietet mit ihrem Internet-Portal die Möglichkeit, persönlich eine Busfahrt zu organisieren. Finden sich ausreichend Mitfahrer, stellt „Dein Bus“ Fahrzeug und Fahrer.

Ähnlich wie bei dem anderen deutschen Ex-Monopolisten Deutsche Post  Deutsche Telekom würde auch hier Konkurrenz das Geschäft beleben und die Preise senken. Konkurrenten aber, besonders die kleinen und beweglichen, sind für schwerfällige Dinosaurier schon immer gefährlich gewesen. Die Deutsche Bahn AG ist der größte Anbieter nicht nur im Schienenverkehr, auch beim Fernbusverkehr ist sie mit der DB Stadtverkehr GmbH dick im Geschäft, darüber hinaus existieren zahlreiche Beteiligungen an anderen Verkehrsbetrieben, u.a. die Berlin Bus GmbH.

So war es kein Wunder, daß der jungen Firma  im November 2010 von der Deutschen Bahn AG eine Unterlassungsklage ins Haus flatterte. ‚Wehret den Anfängen‘ wir man sich in der Konzernzentrale gedacht haben.

Aus und Vorbei gedacht. Denn am 20.04.2011 hat das Landgericht Frankfurt die Klage abgewiesen. Ich will nicht unken und schon gar nicht bin ich mit seherischen Fähigkeiten gesegnet, aber vielleicht ist dies nur einer von zukünftig vielen kleinen Schritten, die das Ende scheinbar allmächtiger Konzerne und Quasi-Monopolisten einläutet.

„Man sollte viel öfter nachdenken, und zwar vorher“ , hat Werner Mitsch einmal gesagt. Ein schlauer Mann.

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