Heul doch…

Quelle: Flickr

Was muss ich heute in der Zeitung lesen:

Wirtschaftsminister Rainer Brüderle empört sich über die schwindelerregenden Benzinpreise an deutschen Tankstellen.

Ich weiß gar nicht, was ich zuerst machen soll:  Kopf schütteln, laut loslachen, in die Luft gehen vor Wut oder weinen über so viel Dummheit gepaart mit offensichtlicher Heuchelei.

Vielleicht erbarmt sich ja jemand, um dem armen Mann mal zu erklären, wie sich das mit dem neoliberalen Credo „Der Markt reguliert sich selbst“ verhält. Allerdings sollte Herr Brüderle als FDP-Mitglied und diplomierter Volkswirt eigentlich wissen, wie es geht. Oder eben nicht geht. Wer als Wirtschaftslobbyist sein Wohl und Wehe in die gierigen Hände der Konzernbosse und ihre Aktionäre legt, muss sich nicht wundern, wenn diese Krämerseelen Morgenluft wittern und hemmungslos absahnen.

Als Industriellensohn sollte Rainer Brüderle wissen, wann ein gutes Geschäft lockt. Da braucht er nur die vielen fahrenden Blumenverkäufer an Muttertag fragen, weshalb sie ihre überteuerten Sträußchen an jeder Straßenecke anbieten. Bestimmt nicht, weil es angenehm ist, stundenlang unter freiem Himmel auf Abnehmer zu warten. Sie tun es, weil es genug Männer mit schlechtem Gewissen gibt, die eher bereit sind, teures Geld für einen Blumenstrauß auszugeben, als daheim Stress mit der Mutter ihrer Kinder zu haben. Die Sträußchen gehen weg wie warme Semmeln – nicht weil Männer Blumen lieben, sondern weil sie sich einen entspannten Tag wünschen!

Und aus genau dem gleichen Grund steigen in steter Regelmäßigkeit vor den Feiertagen die Spritpreise. Die Familie möchte einige Tage entspannt genießen und sucht Tapetenwechsel. Sich deswegen zu ärgern ist, als ob man sich darüber aufregt, daß Wasser nass ist.

Es ist ja nicht so, als wäre dies ein völlig neues Phänomen. Aber die Tatsache, daß der Wirtschaftsminister sich über Offensichtliches aufregt, ist ein Indiz dafür, wie verzweifelt unsere Regierungsmitglieder und insbesondere die der FDP nach populären Themen suchen, um den Sturz ins Bodenlose zu verhindern.

Ich weiß auch nicht, warum mir in diesem Moment der Zauberlehrling in den Sinn kommt. Man kann jedenfalls dem bemitleidenswerten Mann nur viel Glück wünschen. Oder er erkundigt sich bei der Telekom den Gelben Seiten – die machen Werbung mit dem Spruch: „Vielleicht hätte er jemanden fragen sollen, der sich damit auskennt.“

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