Die Hand Gottes

Quelle: Flickr

Erinnern wir uns:

1986. Das Internet war noch nicht erfunden. Die CD wurde von den meisten noch für eine Seife gehalten und die ersten Abspielgeräte für dieses neue Medium waren noch Spielzeuge für Nerds. Die Welt war in Aufregung – Fussballweltmeisterschaft war angesagt.  Viertelfinale, England gegen Argentinien. Es war Feuer unterm Dach.

Der Falklandkrieg war noch frisch in den Köpfen der Kontrahenten. Beide wollten den Sieg. Argentinien, weil die WM im eigenen Land statt fand und der Titel erst einmal (1978) geholt wurde. England, weil sie 1966 spektakulär – ich sage nur Wembley – Weltmeister wurden und danach immer mehr an Bedeutung verloren hatten. Das Spiel endete 2:1 für die Argentinier und sie holten sich schließlich zum zweiten Mal den Pokal.

Naja, Fußball werden jetzt viele sagen. Interessiert mich nur bedingt. Außerdem: Haben wir zur Zeit nicht andere Sorgen?

Ja doch, Moment, hab’s gleich. Kurz zurück zum beschriebenen Spiel – in der 51. Minute kommt der Kapitän der argentinischen Mannschaft, ein 167 cm kleiner großer Spieler namens Maradonna, an den Ball und erzielt das erste Tor – mit der Hand. Das Tor wurde gegeben. Der Schiedsrichter hatte entschieden, dass alles in Ordnung war.

Was dieses Tor besonders macht ist nicht die Tatsache wer es geschossen hat, sondern etwas anderes. Und damit komme ich zum springenden Punkt:

Die Hand Gottes.

Nach dem Spiel darauf angesprochen, ob denn dabei alles mit rechten Dingen zu ging, antwortete Maradonna verschmitzt, dass dabei wohl die Hand Gottes im Spiel war.

. . .

Aktuell gleicht sich die Situation:

Ähnlich wie damals herrscht Aufregung. Ein Ball, Feuer unterm Dach, Proteste. Und jemand, der überzeugt ist, dass alles in Ordnung sei. Allerdings mit einer klitzekleinen Änderung…

Aufregung herrscht wegen des Erdbebens in Japan und den dramatischen Folgen. Der Ball ist auf die Größe der Erde angewachsen.  Feuer unterm Dach gibt es im AKW Fukushima. Proteste äußern sich in Form von Menschenketten, Mahnwachen und Anti-Kernkraft-Demos. Und die Atom-Lobby und ihre Handlanger die Regierungskoalition ist überzeugt, alles sei nach wie vor in Ordnung.

Was hat das mit der Hand Gottes zu tun?

Nun ja, schwer beeindruckt und irritiert von den lautstarken Protesten in der deutschen Bevölkerung und dem scharfen Wind aus den Reihen der Opposition haben wir  die Gelegenheit zu beobachten, wie insbesondere Vertreter der sogenannten „christlichen“ Partei CDU eben diese Hand Gottes zitieren.

http://de.wikipedia.org/wiki/Angela_Merkel

http://de.wikipedia.org/wiki/G%C3%BCnther_Oettinger

So geschehen durch Kanzlerin Angela Merkel und kurz darauf durch EU-Energiekommissar Günther Oettinger. Ich weiß nicht, was mich mehr erschreckt: Das zum Teil hilflose Gestammel unserer Kanzlerin beim Versuch den Elefanten, den sie mit ihrer Regierung in den Morast gesetzt hat, zu einer Mücke herunterzureden. Oder der Versuch, den lieben Gott die Suppe auslöffeln zu lassen, die uns die Strom-Konzerne und Politiker in ihrer maßlosen Gier nach Profit und Macht eingebrockt haben.

Es fällt mir als Buddhisten schwer, Mitgefühl für solche Menschen zu entwickeln. Aber mir geht es noch gut. Ich stecke nicht drin in diesem Geflecht aus falschen Versprechungen, offensichtlichen Lügen und Opportunismus gegenüber der Wirtschaft und ihren Interessen.

Um wieviel schwerer muss es Politikern fallen, gemachte Fehler einzusehen und entsprechende Konsequenzen zu ziehen? Ich erwarte nicht, dass sich jemand dafür entschuldigt, einen falschen Weg beschritten zu haben, denn das verlangt Mut und Größe.

Es wäre aber zumindest eine große Geste.

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